Das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) ist eine besonders aggressive Form von Lungenkrebs. Trotz medizinischer Fortschritte ist die Prognose für viele Betroffene nach wie vor ungünstig1, was den Bedarf an neuen, zielgerichteten und effektiven Therapieansätzen unterstreicht.
Lungenkrebs zählt in Deutschland zu den häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkrankten im Jahr 2023 mehr als 58.000 Menschen neu daran.2 Rund 15 Prozent aller Lungenkrebsfälle entfallen auf das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC, Small Cell Lung Cancer). Das entspricht schätzungsweise etwa 8.700 Neuerkrankungen pro Jahr.2
Charakteristisch für das SCLC ist, dass der Tumor in der Regel rasch wächst, früh Metastasen bildet und häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird.3 Somit besteht oft nur ein enges therapeutisches Zeitfenster.
Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC): aggressiv, oft spät erkannt, schwer behandelbar | © Amgen GmbH
Ursachen und Symptome des SCLC – die Erkrankung wird meist spät erkannt
Der wichtigste Risikofaktor für das kleinzellige Lungenkarzinom ist das Rauchen.4 Kaum eine andere Krebsart ist so eng mit dem Tabakkonsum verknüpft:5 Nur etwa 2 Prozent der Fälle treten bei Menschen auf, die nie geraucht haben. Zwar sinkt das SCLC-Risiko nach einem Rauchstopp, es bleibt jedoch auch Jahrzehnte später höher als bei Menschen, die nie geraucht haben.6 Neben dem Rauchen können auch Umwelteinflüsse wie Feinstaub, Dieselabgase oder Asbest sowie genetische Faktoren eine Rolle spielen.7
Eine besondere Herausforderung des SCLC ist, dass die Erkrankung in vielen Fällen erst spät erkannt wird. In frühen Stadien verursacht sie in der Regel nur wenige oder unspezifische Beschwerden. Symptome wie anhaltender Husten, Kurzatmigkeit, Heiserkeit, pfeifende Atmung oder Müdigkeit werden nicht selten zunächst anderen, weniger schwerwiegenden Erkrankungen oder dem Rauchen selbst zugeschrieben.8
Hinzu kommt, dass die Erkrankung typischerweise rasch fortschreitet. Zwischen dem Auftreten der ersten Beschwerden und der medizinischen Abklärung bleibt deshalb oft nur wenig Zeit.9 Wie Dr. Achim Rieth, Medizinischer Direktor für Hämatologie & Onkologie bei der Amgen GmbH, erklärt, stellt gerade dies eine Schwierigkeit in der klinischen Praxis dar:
„Das kleinzellige Lungenkarzinom ist eine Erkrankung, die häufig einen sehr dynamischen Verlauf nimmt. Der Tumor kann schnell wachsen und sich früh im Körper ausbreiten. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Diagnostik und Behandlung eng ineinandergreifen.“
Bis zur gesicherten Diagnose sind mehrere Schritte erforderlich. Die Abklärung erfolgt stufenweise: Beginnend mit bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder Computertomographie, gefolgt von einer Gewebeprobe zur Sicherung der Diagnose und weiteren Einordnung der Erkrankung.9
Ein Tumor wie ein Lauffeuer – das SCLC verläuft besonders aggressiv
Nur in etwa fünf Prozent der Fälle wird das kleinzellige Lungenkarzinom in einem frühen Stadium entdeckt, in dem sich der Tumor noch nicht auf Lymphknoten oder andere Organe ausgebreitet hat.1
Bei rund 70 Prozent der Betroffenen hat der Tumor jedoch zum Zeitpunkt der Diagnose bereits in die andere Lungenseite gestreut oder Fernmetastasen (Metastasen in anderen Organen) gebildet.1 Das Krankheitsbild gleicht deshalb nur selten einem lokal begrenzten Tumor. Vielmehr ist das SCLC bei Diagnosestellung meist bereits eine systemische Erkrankung, bei der nicht nur der Primärtumor in der Lunge, sondern auch andere Körperregionen oder Organe betroffen sind.
Entsprechend ungünstig ist die Prognose: Unter allen Lungenkarzinomen weist das SCLC die schlechtesten Überlebenschancen auf. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt insgesamt unter 10 Prozent, im metastasierten Stadium sogar unter 5 Prozent.1
Stadienverteilung beim neu diagnostizierten kleinzelligen Lungenkarzinom
Das therapeutische Paradox: Zunächst gutes Ansprechen, dann oft Rückfall
Ein besonderes Merkmal des kleinzelligen Lungenkarzinoms ist sein widersprüchliches Therapieansprechen: Während das SCLC anfangs meist gut auf eine Behandlung anspricht, kommt es im weiteren Verlauf häufig zu einem Rückfall oder einer sogenannten Therapieresistenz, bei welcher der Tumor zunehmend schlechter auf die eingesetzten Therapien reagiert.10 Die Erkrankung schreitet also wieder fort, obwohl sie zunächst kontrolliert werden konnte.
Das SCLC ist daher eine Tumorerkrankung mit hoher Rückfallrate: Etwa 75 Prozent der Patient:innen mit lokal fortgeschrittener Erkrankung und mehr als 90 Prozent der Patient:innen mit metastasiertem SCLC erleben innerhalb von zwei Jahren ein Wiederauftreten oder Fortschreiten der Erkrankung.10
Laut Dr. Achim Rieth liegt genau hier eine zentrale Herausforderung der Erkrankung: „Nach einem Rückfall stehen den Patient:innen derzeit nur noch begrenzte Behandlungsoptionen zur Verfügung. Ziel ist es dann vor allem, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.“
Hoher Bedarf an neuen therapeutischen Perspektiven
Gerade weil ein initiales Therapieansprechen beim SCLC häufig nicht dauerhaft anhält, bleibt die langfristige Krankheitskontrolle eine zentrale Herausforderung. Hinzu kommt die Belastung durch die Erkrankung selbst: Symptome wie anhaltender Husten, Kurzatmigkeit oder Erschöpfung können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen und selbst alltägliche Aktivitäten erschweren.11 Mit fortschreitender Erkrankung nimmt die Belastung weiter zu, sowohl durch das Tumorwachstum in der Lunge als auch durch Metastasen in anderen Organen.8 Mögliche Folgen sind neben zunehmender Atemnot beispielsweise Schmerzen, Knochenbrüche infolge von Knochenmetastasen sowie neurologische Beschwerden bei einem Befall des zentralen Nervensystems.9
Dr. Achim Rieth betont deshalb: „Für die Forschung ist es entscheidend, die Erkrankung biologisch besser zu verstehen und Ansatzpunkte zu identifizieren, die langfristig zu einer verbesserten Versorgung von Patient:innen beitragen können.“
Amgen engagiert sich für mehr Aufmerksamkeit beim SCLC
Der hohe ungedeckte medizinische Bedarf beim kleinzelligen Lungenkarzinom unterstreicht die Bedeutung weiterer Forschung und neuer wissenschaftlicher Ansätze. „Als forschendes Biotechnologie-Unternehmen sehen wir unsere Verantwortung darin, Patient:innen mit schweren Erkrankungen wie dem SCLC zu helfen, indem wir wissenschaftliche Erkenntnisse vorantreiben und in neue Therapieansätze übersetzen“, betont Dr. Achim Rieth.
Gerade weil SCLC so rasant verläuft, stellt die Erkrankung Betroffene und Angehörige vor erhebliche Herausforderungen – medizinisch, emotional und organisatorisch. Amgen engagiert sich deshalb nicht nur in der Entwicklung neuer Therapieansätze, sondern auch dafür, das Bewusstsein für diese schwer behandelbare Erkrankung zu stärken. Je besser die biologischen Ursachen und Mechanismen des SCLC verstanden sind, desto gezielter können künftige Therapiemöglichkeiten für Patient:innen entwickelt werden.
Dr. Achim Rieth, Director Medical Development Therapeutic Amgen GmbH | © Amgen GmbH
Referenzen
- National Cancer Institute. Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER) Program. Small cell carcinoma of the Lung and Bronchus, Stage Distribution of SEER Incidence Cases, 2013–2022. https://seer.cancer.gov/statistics-network/explorer/application.html (Zugriff: 12.05.2026)
- Robert Koch-Institut (RKI). Krebs in Deutschland für 2021–2023. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_2025.pdf?__blob=publicationFile (Zugriff: 12.05.2026)
- Krebsinformationsdienst. SCLC: Therapie bei kleinzelligem Lungenkrebs. https://www.krebsinformationsdienst.de/lungenkrebs/behandlung-kleinzelliges-bronchialkarzinom (Zugriff: 12.05.2026)
- Varghese AM et al. J Thorac Oncol 2014;9:892–896.
- Huang R et al. EBioMedicine 2015;2:1677–1685.
- Pesch B et al. Int J Cancer 2012;131:1210–1219.
- Onkopedia. Lungenkarzinom, kleinzellig (SCLC). Stand September 2025. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-kleinzellig-sclc/@@guideline/html/index.html. (Zugriff: 12.05.2026)
- Prado MG et al. BMJ Open. 2023;13(4):e068832.
- S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Version 4.0, April 2025. AWMF-Registernummer 020-007OL.
- Rudin CM et al. Small-cell lung cancer. Nat Rev Dis Primers. 2021;7(1):3.
- Polanski J et al. Onco Targets Ther. 2016;9:1023-1028.



