Biopharmazeutische Originalpräparate

„Biology first“: Unsere Forschung setzt bei den biologischen Mechanismen der Erkrankung an. Wir versuchen, die Ursachen von Erkrankungen zu verstehen und mit diesem Wissen neue Therapien zu entwickeln.

Das Target im Visier

Mithilfe modernster Humangenetik und einer eigenen, einzigartigen DNA-Datenbank ist es uns möglich, komplexe Erkrankungsvorgänge zu entschlüsseln und Angriffspunkte für neue Arzneimittel zu identifizieren, die sogenannten „Targets“. Das Target ist das spezifische Molekül im Körper, auf das das Medikament wirken soll. Zum Beispiel sind einige Targets bei einer Krankheit im Überschuss vorhanden. Daher ist es das Ziel, deren Aktivität zu blockieren. Dies kann durch ein Medikament geschehen, das an das Target bindet, um eine Wechselwirkung mit anderen Molekülen im Körper zu verhindern. In anderen Fällen ist das Zielprotein unzureichend oder nicht vorhanden. Dann ist es das Ziel, es anzureichern oder zu ersetzen, um eine gesunde Funktion wiederherzustellen.

Biotechnologische Arzneimittel ähneln oder sind mit den körpereigenen menschlichen Proteinen und anderen komplexen Substanzen identisch, die für den gesunden Körper unentbehrlich sind. Auf diese Weise können sie mit dem Target interagieren. Sie werden biotechnologisch, also mit lebenden Zellen, hergestellt. Für die chemische Herstellung sind ihre Moleküle zu groß und zu komplex.

13 Wirkstoffe im Überblick

Kennen wir das Target, müssen wir einen Ansatz, einen geeigneten Wirkstoff festlegen, der den molekularen Defekt, also die Erkrankung im Körper, angeht. In den vergangenen 40 Jahren haben wir bei Amgen eine Fülle von Wirkstoffen entwickelt, um den jeweils besten Ansatz für die Behandlung einer Erkrankung zu nutzen:

  • Therapeutisches Protein

    Therapeutische Proteine sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Biologika und werden biotechnologisch hergestellt. Sie können natürliche Proteine, deren Synthese oder Funktion verändert ist, ersetzen. Außerdem lassen sich therapeutische Proteine mittels gentechnischer Methoden modifizieren.

  • Monoklonaler Antikörper

    Antikörper können spezifisch an Proteine binden, die an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind. Sie kommen natürlicherweise im Körper vor und markieren Fremdkörper oder entartete Zellen, wodurch diese effizienter vom Immunsystem entfernt werden. Sie werden biotechnologisch hergestellt und für die Behandlung von Krankheiten, wie z.B. Krebs, Asthma oder Dermatitis, eingesetzt. Wird für die Synthese nur eine einzige Zelllinie verwendet, handelt es sich um monoklonale Antikörper.

  • Bispezifischer Antikörper

    Bispezifische Antikörper sind eine künstliche Fusion von zwei natürlich vorkommenden Antikörpern. Sie werden bei der Behandlung komplexer Krankheiten eingesetzt. Bispezifische Antikörper binden gleichzeitig an zwei verschiedene therapeutisch relevante Strukturen und bringen diese dadurch in Kontakt. Auf diese Weise können krankheitsfördernde Reaktionen inhibiert oder die Immunantwort verstärkt werden.

  • Fusionsprotein

    Fusionsproteine sind eine Kombination mehrerer Proteine und besitzen die Eigenschaften der verschiedenen Proteine. Man kann sie mittels gentechnischer Methoden herstellen. Dazu wird die genetische Information der Proteine hintereinander angeordnet und in eine Zelle oder einen Organismus eingebracht. Im Zuge der Proteinbiosynthese entsteht dann das Fusionsprotein.

  • Peptidkonstrukt

    Peptide sind kleine Proteine, die natürlicherweise im Körper vorkommen. Werden sie Patientinnen oder Patienten zu therapeutischen Zwecken injiziert, baut der Körper sie meist schnell ab. Grund dafür ist die geringe Größe der Peptide. Verknüpft man sie mit einem Antikörper, wird ihr Abbau verzögert. Daher muss die Patientin oder der Patient das Medikament seltener anwenden.

  • Peptid

    Peptide sind kleine Proteine, die im Körper unter anderem als Hormone oder Signalmoleküle wirken und biochemische Reaktionen regulieren. Bildet eine Person ein bestimmtes Peptid nur in geringen Mengen oder gar nicht, werden ihr die therapeutischen Peptide injiziert, um das Defizit auszugleichen. Die bekannteste Peptidtherapie ist die Anwendung von Insulin bei Diabetespatientinnen und -patienten.

  • Kleines Molekül

    Die meisten der aktuell zugelassenen Wirkstoffe sind kleine Moleküle. Weil sie kleiner als Peptide und Proteine sind, können sie ungehindert in Zellen eindringen und sogar die Blut-Hirn-Schranke passieren. Dadurch bieten sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten für „small molecules“ zur Behandlung schwerer Erkrankungen.

  • Antikörper-„Drug“-Konjugat

    Antikörper-„Drug“-Konjugate zerstören effizient Krebszellen, ohne gleichzeitig dem gesunden Gewebe zu schaden. Dadurch, dass das toxische Chemotherapeutikum an einen Antikörper geknüpft wird, lässt sich sehr genau steuern, auf welche Zelle das Toxin wirken soll. Auf diese Weise können Kollateralschäden des gesunden Gewebes vermieden werden.

  • Onkolytische Immuntherapie mit Hilfe eines Virus

    Viren können sich nur innerhalb einer Wirtszelle vermehren. Manche von ihnen lysieren ihre Wirtszelle, um sich schließlich weiter auszubreiten. Für die Krebstherapie werden diese Viren gentechnisch so verändert, dass sie sich nur noch in Tumorzellen vermehren können und gesunde Zellen nicht infizieren. Außerdem locken diese Viren Immunzellen an, wodurch sich eine erworbene Immunität gegen die Krebsantigene entwickeln kann.

  • BiTE®-Molekül

    Ein BiTE®-Molekül ist eine Kombination von Antikörperfragmenten. Mit seinen beiden Armen kann das Konstrukt gleichzeitig an eine Krebszelle und eine T-Zelle des Immunsystems binden. Infolgedessen wird die T-Zelle aktiviert und initiiert die Zerstörung der Krebszelle. BiTE®-Moleküle können gentechnisch verändert werden und in Zukunft auch außerhalb der Krebstherapie Anwendung finden.

  • HLE BiTE®-Molekül

    BiTE®-Moleküle dienen als Brücke zwischen Krebs- und Immunzellen, wodurch das Immunsystem den Krebs effizienter zerstören kann. Aufgrund ihrer geringen Größe werden die Konstrukte allerdings innerhalb kurzer Zeit in den Nieren abgebaut. Durch Fusion des BiTE®-Moleküls mit einem Antikörper wird der Abbau verzögert. Folglich muss der Patient seltener mit dem Wirkstoff behandelt werden.

  • RNA-Interferenz

    Die Synthese von Proteinen, die an der Entstehung bestimmter Krankheiten beteiligt sind, kann durch RNA-Interferenz verhindert werden. Dazu werden kurze RNA-Sequenzen in die Zellen eingebracht. Diese binden an die mRNA und bewirken ihren Abbau, wodurch kein Protein gebildet wird. RNA-Interferenz greift folglich einen Schritt früher als andere Therapieansätze, die die Funktion bereits gebildeter Proteine inhibieren.

  • Zellbasierte Therapie

    Bei zellbasierten Therapien werden körpereigene oder fremde T-Zellen außerhalb des Körpers verändert und anschließend einer Krebspatientin oder einem Krebspatienten injiziert. Die modifizierten T-Zellen bekämpfen die Krebszellen effektiver als zuvor. Bei der CAR-T-Zelltherapie bilden die gentechnisch veränderten T-Zellen einen Rezeptor, der die Tumorzellen spezifisch bindet und deren Zerstörung vermittelt. Das System kann für verschiedene Tumorarten angepasst werden.