Schematische Darstellung eines BiTE® Moleküls zwischen einer aktivierten T Zelle und einer Tumorzelle.
Schematische Darstellung eines BiTE® Moleküls zwischen einer aktivierten T Zelle und einer Tumorzelle.

Die Geschichte der BiTE® Technologie: Von der Biologie zur Innovation

Die Geschichte der BiTE® Technologie: Wie biologische Forschung innovative onkologische Therapieansätze ermöglicht

Wie entstehen neue Therapieansätze gegen Krebs? Bei Amgen beginnt die Suche nach Antworten mit einem genauen Blick auf die Biologie der Erkrankung. Welche Mechanismen treiben Tumorwachstum an? Wie können Krebszellen der Immunabwehr entgehen? Und welche Prozesse könnten Ansatzpunkte für neue therapeutische Prinzipien bieten? 

Dieser Forschungsansatz basiert auf dem „Biology first“-Prinzip: Erst wenn krankheitsrelevante biologische Mechanismen besser verstanden werden, lassen sich wissenschaftliche Hypothesen entwickeln, die langfristig gezielte Therapieansätze ermöglichen. Die BiTE® Technologie veranschaulicht, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen ein innovatives Therapiekonzept entsteht – und welchen langen Weg eine Idee oft zurücklegen muss, bevor sie Patientinnen und Patienten erreicht.

Am Anfang stand eine Frage: Wie kann man Krebszellen für das Immunsystem sichtbar machen?
Das menschliche Immunsystem verfügt über viele Milliarden hochspezialisierter Abwehrzellen. Dazu gehören die sogenannten T-Zellen, eine Untergruppe der weißen Blutzellen. Sie patrouillieren im Körper, erkennen gefährliche oder veränderte Zellen des Körpers, wie etwa virusinfizierte Zellen, und können diese gezielt zerstören. Grundsätzlich ist das Immunsystem auch in der Lage, Krebszellen anzugreifen.

Doch viele Tumoren entwickeln Mechanismen, mit denen sie für das Immunsystem unsichtbar bleiben. Dadurch sind sie für die körpereigene Abwehr oft kaum angreifbar und wachsen weiter. Für die Forschung ergab sich daraus die zentrale Frage: Wie lässt sich die natürliche Fähigkeit von T-Zellen gezielt für die Bekämpfung von Krebs nutzen? Aus dem besseren Verständnis dieser biologischen Zusammenhänge entstand die Idee für die BiTE® Technologie.

Was ist die BiTE® Technologie?
BiTE® steht für „Bispecific T-Cell Engager“ und bezeichnet ein bispezifisches Molekül, das T-Zellen gezielt gegen Krebszellen aktivieren kann. Vereinfacht gesagt funktioniert ein BiTE® Molekül wie eine molekulare Brücke: Es bindet mit einem Arm an eine T-Zelle und gleichzeitig mit dem anderen Arm an eine charakteristische Zielstruktur auf der Oberfläche einer Tumorzelle. Die T-Zelle kann daraufhin ihre natürliche Aufgabe erfüllen und die Tumorzelle gezielt zerstören.

Der tumorbindende Arm eines BiTE® Moleküls kann dabei so gestaltet werden, dass er das jeweils spezifische Merkmal einer Krebsart erkennt. Welche Zielstruktur dafür infrage kommt, hängt von den biologischen Eigenschaften des jeweiligen Tumors ab. Diese werden im Rahmen der Forschung sorgfältig untersucht, um mögliche Ansatzpunkte für neue therapeutische Konzepte zu identifizieren.

Was relativ simpel und nachvollziehbar klingt, ist im Labor ein hochkomplexer Entwicklungsprozess. Für eine Krebsart können zunächst zahlreiche unterschiedliche Moleküle entworfen und geprüft werden. Im Münchner Forschungslabor werden geeignete Kandidaten Schritt für Schritt ausgewählt, weiter charakterisiert und für die nächsten Entwicklungsphasen vorbereitet. Dazu gehört auch, Herstellungsprozesse vom kleinen Labormaßstab in größere Maßstäbe zu übertragen und Testverfahren zu entwickeln, mit denen sich neue Moleküle zuverlässig analysieren lassen.

Von der wissenschaftlichen Idee zur Technologieplattform
Die Forschungswurzeln der BiTE® Technologie reichen an die Ludwig-Maximilians-Universität München zurück. Die Suche nach Möglichkeiten, wie sich T-Zellen gezielt gegen Krebszellen richten lassen, beschäftigte dort bereits in den 1990er-Jahren eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Peter Kufer. Auf Basis der ersten Erkenntnisse wurden die Grundlagen der BiTE® Technologie entwickelt und das erste BiTE® Molekül hergestellt.

Von dort aus begann ein Weg, der sich über viele Jahre erstrecken sollte: von der Grundlagenforschung über Untersuchungen im Labor bis hin zu klinischen Studien. 2008 gelang gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlerinnen  und Wissenschaftlern erstmals der klinische Nachweis der Wirksamkeit eines BiTE® Moleküls bei Krebspatientinnen und -patienten. Aus einer biologischen Fragestellung war ein Ansatz geworden, der erstmals auch in der klinischen Forschung untersucht und validiert werden konnte.

2012 übernahm Amgen das Münchner Biotechnologieunternehmen Micromet; daraus entstand die Amgen Research (Munich) GmbH. Heute ist sie der größte Forschungsstandort von Amgen außerhalb der USA und ein wichtiger Teil des globalen Forschungsnetzwerks. Die Teams in München arbeiten daran, die BiTE® Technologie weiter auszubauen und neue Einsatzmöglichkeiten für unterschiedliche Tumorarten zu erschließen.

Forschung braucht Expertise – und einen langen Atem
Das Beispiel BiTE® Technologie macht deutlich, wie viel wissenschaftliche Ausdauer biotechnologische Innovation erfordert. Ihre Geschichte reicht über mehr als drei Jahrzehnte zurück – von den ersten Forschungsarbeiten an einer Münchner Universität bis zu ihrer kontinuierlichen Verfeinerung und weiteren Erforschung heute.

„Die BiTE® Technologie zeigt, was möglich wird, wenn man Immunbiologie konsequent weiterdenkt. Am Anfang stand die Frage, wie sich die enorme Wirkkraft körpereigener T-Zellen gezielt gegen Krebszellen richten lässt. Daraus ist eine Plattform entstanden, die wir über viele Jahre weiterentwickelt haben und deren Potenzial wir heute in unterschiedlichen Tumorarten erforschen“, erklärt Prof. Dr. Peter Kufer, Geschäftsleiter der Amgen Research (Munich) GmbH und Vice President BiTE® Technology.

Die lange Historie der BiTE® Technologie zeigt: Medizinische Innovation entsteht selten in einem einzelnen Schritt. Sie ist ein fortlaufender Prozess, in dem biologische Erkenntnisse, technologische Weiterentwicklung und klinische Forschung ineinandergreifen – mit dem Ziel, neue Perspektiven für Patientinnen und Patienten zu schaffen. 

Portrait von Prof. Dr. med. Peter Kufer, dem Geschäftsleiter der Amgen Research (Munich) GmbH
Prof. Dr. med. Peter Kufer, Geschäftsleiter der Amgen Research (Munich) GmbH

Kurzvita Prof. Dr. Peter Kufer

• Professor für Immunologie
• Vice President, BiTE® Technology
• Geschäftsleiter der Amgen Research (Munich) GmbH
• Professor Kufer M.D., Ph.D., ist Vice President BiTE® Technology, Geschäftsleiter der Amgen Research (Munich) GmbH in München.
• 1994 stellte Prof. Kufer die BiTE® Technologie erstmals auf der IBC Antibody Engineering Conference in Kalifornien vor. Er leitete die akademische Forschungsgruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die die BiTE® Technologie entwickelte. 2016 verlieh die IPO Education Foundation, Washington D.C., Prof. Kufer zusammen mit Prof. Ralf Bargou den Inventor of the Year Award im Bereich Immuntherapie-Onkologie.
• Prof. Kufer studierte an der Universität München, wo später auch Promotion und Habilitation im Fach Immunologie an der Medizinischen Fakultät der LMU folgten.

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